Filmkritik "Hagazussa"

Hexenhorror in den Alpen

Mit dem finsteren Historienfilm "Hagazussa - Der Hexenfluch" legt der Österreicher Lukas Feigelfeld sein Kinodebüt vor und zeigt, dass das deutschsprachige Genrekino keinesfalls ausgestorben ist.
Szene aus "Hagazussa"
Albruns versinkt im Wahnsinn

Hoher Schnee, nebelverhangene Bergketten, eine abgelegene Hütte. Zwar ist auch hier der gruselige Wald nicht weit, aber Lukas Feigelfeld hat für seinen Hexenhorror einen überraschend unverbrauchten Schauplatz gewählt. In dieser Almhütte, weit entfernt von der Zivilisation, lebt die kleine Albrun mit ihrer pestkranken Mutter. Auch Jahre später wohnt Albrun noch dort, hat mittlerweile selbst ein Kind. Die Dorfbevölkerung hat nur Hass für die junge Frau übrig, denn Albrun steht unter Verdacht, eine Hexe zu sein. Hagazussa spielt dabei im 15. Jahrhundert, also in einer Zeit, in der Heinrich Kramer seinen berühmt-berüchtigten "Hexenhammer" bereits veröffentlicht hat und der Hexenwahn immer noch um sich greift.

Bedrohliche Natur

Als Hagazussa im vergangenen Jahr über verschiedenste Genrefilmfestivals tourte, wurden immer wieder Vergleiche mit dem Film The Witch gezogen, jenem Horrorfilm, in dem sich eine Familie mit Hexereivorwürfen selbst zerfleischte. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen den Regiearbeiten von Lukas Feigelfeld und Robert Eggers. Wie auch in The Witch geht es hier um religiösen Fanatismus, dem die Figuren zum Opfer fallen. Die Bedrohlichkeit der Natur verstärkt diesen Konflikt nur noch. Die Umgebung in Hagazussa ist alles andere als menschenfreundlich. Dabei wird gekonnt im Unklaren gehalten, woher der eigentliche Horror kommt. Da wären einerseits die Einsamkeit und die Ausgrenzung, die Albrun in den Wahnsinn treiben. Dazu kommen die finsteren Gebräuche der damaligen Zeit. Direkt zu Beginn des Films zeigt Feigelfeld eines der sogenannten Percht-Rituale. Ein Brauch, bei dem als Naturgeister verkleidete Menschen umherziehen und den Winter austreiben wollen. Nicht selten kommt es dabei zu Belästigungen und gewalttätigen Übergriffen. Und dann wären da noch die Geister der Vergangenheit, die Albrun heimsuchen. Wie auf einem Altar liegt in Albruns Hütte der Totenschädel ihrer Mutter, von dem immer wieder ein leises Atmen zu vernehmen ist.

Kein Film der vielen Worte

Man sollte gewarnt sein, dass Hagazussa weder leichte Kost noch ein klassischer Horrorfilm ist. Wem bereits Robert Eggers Witch zu langweilig war, sollte um Hagazussa einen großen Bogen machen. Viel Handlung gibt es nicht und

Szene aus "Hagazussa"
Horror im Tiefschnee

gesprochen wird kaum. Wenn dann doch mal ein paar Sätze gewechselt werden, dann in so starkem Dialekt, dass Außenstehende kaum ein Wort verstehen werden. Das ist aber auch gar nicht schlimm, denn Lukas Feigelfeld lässt vielmehr seine beklemmenden Bilder für sich sprechen. Zusammen mit dem dröhnenden Klangteppich entfaltet Hagazussa eine finstere Atmosphäre, die mitunter beinahe einen leichten Rauschzustand herbeiführt. Hier gibt es quälend lange Einstellungen, die Hagazussa dem Publikum einiges abverlangen. Menschliche Kommunikation wird hier fast rituell zersetzt, von der ungezähmten Natur verschlungen. Bevor Feigelfeld im rätselhaften letzten Kapitel des Films den Blutzoll erhöht und seine Geschichte fast ins Surreale rutschen lässt, gibt es minutenlange Naturbilder. Aufnahmen von Blut, das das Wasser im Teich verfärbt. Auch wenn auf klassische Horrormotive komplett verzichtet wird, ist Hagazussa in einigen Szenen trotzdem zutiefst verstörend. Etwa wenn die kleine Albrun die Pestbeulen ihrer Mutter wäscht und sich dann zu ihr ins Bett legt. Später wird die sterbenskranke Frau mit markerschütternden Schreien durchs nächtliche Haus poltern. 

Fazit

Hagazussa ist anstrengendes, zum Teil auch zähes, aber sehr gewagtes und ambitioniertes deutschsprachiges Genrekino. Vor allem darf man gespannt sein, was Lukas Feigelfeld nach diesem Debüt in Zukunft noch präsentieren wird.

 

Die Filmkritik von Kinoredakteur Janick Nolting können Sie sich hier ansehen:

 

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Hagazussa

Regie: Lukas Feigelfeld

FSK 16

Laufzeit: 102 Minuten

Cast: Aleksandra Cwen, Claudia Martini, Celina Peter und andere

Der Film erscheint am 27.7.2018 auf DVD und Blu Ray.